4. St. Johanner Friedenstage, 19.-21. Okt. 2006
Wirtschaft als Friedensfaktor?!
Alle zwei Jahre diskutieren namhafte Persönlichkeiten in St. Johann über Voraussetzungen einer neuen Friedenskultur. Ziel der Friedenstage ist die Sensibilisierung für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts als "Zeichen der Zeit" und eine kritische Reflexion über die latenten und akuten Kriegs- und Unfriedenszustände. Der diesjährige inhaltliche Schwerpunkt lag in der Betrachtung von Wirtschaftsmodellen, die ein friedliches Miteinander zu fördern vermögen. Einer der "neuen" Wege wurde eine Woche vor den Friedenstagen mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet und hat damit die Aktualität des Themas unterstrichen: Professor Muhammad Yunus, der Gründer der "Grameen Bank" in Bangladesch vergibt seit 1974 auch an "unbankable poor" Kleinkredite, und kann heute stolz sein auf eine Rückzahlungsrate von rund 98 % der gewährten Kredite.[1] Auch für Oikocredit, eine internationale Non-Profit Organisation zählt nicht der größtmögliche Gewinn, sondern die Förderung von sinnvoller Entwicklung durch die Unterstützung mit Mikrokrediten in den ärmsten Regionen der Welt (Robert Wychera, Oikocredit Austria).
Die Frage nach Identität und Würde des Menschen
Bei den Friedenstagen kommt der Kultur im lokalen wie im internationalen Umfeld eine wichtige Bedeutung zu. - Dabei sollen regionale Kulturformen gestärkt, aber auch interkulturelle Dimensionen eröffnet werden. - Ausgehend von der These, dass die "neue" Identität von der eigenen Tradition und Geschichte ebenso ausgehen soll, wie von einer kritischen und bejahenden Interaktion mit anderen Kulturträgern wird bei den Friedenstagen gerade diesem Aspekt breiter Raum gelassen.
Wir wollen mit den Friedenstagen Solidarität fördern, denn Identität und Würde des Menschen sowie der Kulturen sind wichtige Aspekte einer neuen Friedenskultur.
Rund 100 Kinder und Jugendliche aus Slowenien, Bosnien und Bolivien haben mit Pongauer Kindern und Jugendlichen sowie Kindern eines Kroatischen Vereins in Salzburg in Tanzwerkstätten miteinander getanzt, musiziert, gesungen und gespielt - haben drei ganz intensive Tage miteinander verbracht. Nach kurzer Zeit des Kennenlernens gab es weder sprachliche noch kulturelle Barrieren, vielmehr sind Freundschaften entstanden, die allen Beteiligten und Zuschauern ein positives Miteinander vermitteln konnte. Die Tanzwerkstätten auf der St. Johanner Schifferwiese wurden für alle bei strahlendem Herbstwetter ein beeindruckendes Erlebnis.
"Eine Stunde Frieden" hieß es anschließend im St. Johanner Dom: Die Teilnehmer des Kinder- und Jugendvolkstanzfestes tanzten mit dem Eiswalzer in die Kirche und St. Johanner Schüler formulierten ihre Gedanken zum Frieden. Das Lied "Straßenkinder" (Text und Musik von Hildegard Stofferin jun.), gesungen vom Familiengesang Stofferin, beschrieb die Wirklichkeit und vermittelte die Hoffnung auf Besserung durch den Frieden. Bei diesen Friedensvisionen, die maßgeblich von Kindern und Jugendlichen, die unter der Leitung von Prälat Balthasar Sieberer und Pfarrer Adalbert Dlugopolsky standen, wurde spürbar, dass Kinder und Jugendliche nie Krieg führen, es sei denn sie werden von Erwachsenen dazu angestiftet. Positiv formuliert: Kinder und Jugendliche haben ein enormes Solidaritätspotential: Untereinander und mit anderen. Nicht zuletzt deshalb ergibt es Sinn, über die Grenzen zu blicken, Barrieren nieder zu reißen, das Miteinander zu ermöglichen. Damit werden Nord-Süd-Beziehungen zu einem spannenden Vorgang des wechselseitigen "learning by doing". Ganz in diesem Sinne haben sich die Kinder der Volksschule am Dom mit Lehrerin Susanne Promegger ein Theaterstück einfallen lassen und haben ihr selbst bemaltes Friedenssymbol, eine Friedensfahne, den Schülern aus Bolivien überreicht. Die Freude über das gelungene, wohlwollende Miteinander des Abschlussabends unter dem Motto "Wellen der Begegnung" im Kultur- und Kongresshaus St. Johann bleibt allen Beteiligten in positiver Erinnerung und stärkt den Glauben an ein friedvolleres Miteinander.
Lucia Luidold
PS.: Eine Nachschau zu den Friedenstagen mit den Beiträgen aller Referenten erscheint Anfang nächsten Jahres.
Projektteam:
Erwin Eder (Salzburger Heimatvereinigungen)
Dr. Hans Eder (INTERSOL, Salzburger Bildungswerk)
Hans Peter Grass (Friedensbüro, Salzburg)
Dr. Lucia Luidold (Land Salzburg, Salzburger Volkskultur)
Mag. Ernst Reppnig (Pfarre St. Johann)
Hans Steinlechner (Gemeinde St. Johann, Kultur:Plattform)
Hildegard Stofferin (Pfarre St. Johann, Indien-Gruppe)
Hans Strobl (Salzburger Volkskultur)
Christian Vötter (Leopold-Kohr-Akademie)
Gudrun Danter (Intersol)
Träger, Veranstalter:
Stadtgemeinde und Kultur:Plattform St. Johann
Land Salzburg (Salzburger Volkskultur, Kulturförderung)
Landesverband der Salzburger Heimatvereinigungen
INTERSOL (Verein zur Förderung internationaler Solidarität)
Salzburger Bildungswerk
Leopold-Kohr-Akademie
Friedensbüro Salzburg
Förderer und Sponsoren:
Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur
ADA – Austrian Development Agency (Österreichische Entwicklungszusammenarbeit)
Internationale Organisation für Volkskunst
Friedensbüro Salzburg
Uniqa – Ihr Landesversicherer
Raiffeisenbank St. Johann
Kulturelle Sonderprojekte des Landes Salzburg
Stieglbrauerei Salzburg
Modehaus Adelsberger, St. Johann
Gärtnerei Zachhalmel, St. Johann
EZA Fairer Handel GmbH, Köstendorf



