Bodensee-Radhaube immaterielles UNESCO Kulturgut

 

Im Jahr 2003 wurde im Rahmen der 32. Generalversammlung der UNESCO ein Übereinkommen zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes beschlossen. Österreich ist seit 9. Juli 2009 Vertragsstaat. 2010 wurden erstmals in Österreich 18 Beiträge in die nationale Liste aufgenommen. In der Begründung heißt es unter anderem: “Die Bedeutung des immateriellen Kulturerbes als Quelle kultureller Vielfalt und Garant nachhaltiger Entwicklung hat u.a. zur Schaffung des Übereinkommens geführt. Insbesondere bei jungen Menschen soll ein stärkeres Bewusstsein für die Bedeutung des immateriellen Kulturerbes und seiner Erhaltung entwickelt werden.“ Sicher gibt es speziell im Trachtenwesen viele besondere Handwerkstechniken die den Zielen der UNESCO gerecht werden. Als erste Beispiele wurden der Burgenländische Indigo-Handblaudruck und die Bodensee-Radhaube in Laméspitze aufgenommen.

 

Wissen um Anfertigung einer Trachtenhaube ausgezeichnet

Michael Selb, Mitglied der Trachtengruppe Feldkirch hat ein nicht alltägliches Hobby. Er hat sich in der Freizeit einer alten Fertigungstechnik, der Herstellung der Bodensee Radhaube in Laméspitze gewidmet. Nun wurde er dafür von höchster Stelle ausgezeichnet. Das wertvolle Kunsthandwerk wurde in der Sparte „Handwerkstechniken” von der UNESCO in das Nationale Kulturerbe aufgenommen.

Nachdem die Herstellung dieser Kunstwerke über 50 Jahre das Monopol einer Dame in St. Gallen/Schweiz war drohte das Wissen verloren zu gehen. Als Mitglied der Trachtengruppe Feldkirch, ließ ihm das keine Ruhe und er hat sich das nötige Wissen und die erforderliche Fertigkeit angeeignet. Er hat eine Vorrichtung entwickelt und gebaut, welche die Arbeit erleichtert und die Ausführungsqualität deutlich verbessert. In nunmehr 30 Jahren hat er eine Anzahl Goldhauben in unterschiedlichen Motiven hergestellt. Ausgelöst durch einen Vortrag im Vorarlberger Landesmuseum zu diesem Thema sowie ein Referat am Institut für Konservierung und Restaurierung der Uni in Wien wurden Fachleute auf dieses Kunsthandwerk aufmerksam. Die Verbindungen zwischen der Universität für Angewandte Kunst in Wien und der UNESCO führten in der Folge zur Aufnahme in das Verzeichnis des UNESCO Kulturerbes.

 

Bodensee-Radhaube in Lamèspitze

Das Besondere an den in Feldkirch und anderen Städten rund um den Bodensee getragenen Goldhauben ist das aus Gold oder Silberfäden gefertigte Ornament. Die aufwändigste und am schwierigsten zu fertigende Haube ist die Radhaube in der Technik der Lamèspitze. Da das Rad der Haube freistehend ist, muss das Ornament, ähnlich einer Häckel- oder Klöppelarbeit, von beiden Seiten sichtbar sein und die gleiche Ausführungsqualität aufweisen. Der Ausdruck Lamèspitze ist eine neuere Wortschöpfung und stammt aus dem Textilmuseum St.Gallen.

 

Radhaube heute

Die Radhaube wird von Trachtenträgerinnen rund um den Bodensee bei besonderen Anlässen getragen. In Feldkirch in erster Linie bei den Aktivitäten der Trachtengruppe, wie z.B. bei der Vorführung historischer und höfischer Tänze, bei der Teilnahme an kirchlichen Festen (Fidelis- und Fronleichnamsprozession), weltlichen Veranstaltungen (Konzerten, usw.) sowie bei Repräsentationen im In- und Ausland.

 

Die Homepage von Michael Selb birgt viele interessante Details zur Geschichte der Radhaube und eine mit Bildern unterlegte Beschreibung über deren aufwändige, anspruchsvolle Herstellung.

Mehr Informationen: www.members.aon.at/rosamichl/ und www.folklore.at bzw. http://nationalagentur.unesco.at/